01.05.2010 - Kamener Volkslauf


Es ist mal wieder eine Facette der paradoxen Sichtweise von Mann und Frau. Wenn wir Männer an einem Wettkampf teilnehmen geht es simpel um eins: alles geben bis zum bitteren Ende. Meine Frau sieht das natürlich gänzlich anders: Dabei sein ist alles! Nur nicht überanstrengen.

Vorstehend beschriebener Umstand ist wohl auch der Grund, dass ich seit gefühlten 100 Jahren keinen Wettkampf mehr gemeinsam mit meiner Frau bestritten habe. Heute ergibt sich allerdings der glückliche Fall, dass ich einerseits am Kamener Volkslauf über 10km teilnehmen möchte; andererseits gibt mir mein Trainingsplan einen 80min-Lauf bei ruhigem Puls (128-136 bpm) vor. Ideale Voraussetzungen für einen gemeinsamen ‚dabei-sein-ist-alles-Lauf‘.

Der Lauf, den ich schon seit einigen Jahren besuche, wurde diese Jahr mit einer neuen Streckenführung versehen. Was ich anfänglich immer sehr kritisch beäuge, hat sich aber als echter Mehrwert herausgestellt. Die sonst weitläufigen Asphaltabschnitte wurden gegen landschaftlich wunderschöne Streckenteile ersetzt.

Wir laufen äußerst relaxt durch die ersten Kilometer. Auf die Frage nach Tinas Puls bekomme ich die übliche Antwort. ‚Meine Uhr liegt zuhause. Ich laufe so, dass ich durch die Nase atmen kann. Dann passt’s schon.‘ Ich für meinen Teil beobachte meinen Puls selbstverständlich fast jede Minute. Ich liege zwischen 128 und 130. Das harmoniert exakt mit meinem Trainingsplan. Im weiteren Verlauf passiert das, was in Kamen immer stattfindet. Trotz schlechter Wettervorhersage wirft die Sonne Ihre heißesten Strahlen zu uns. Mein Puls lässt sich davon leider unmittelbar beeinflussen und erklimmt die 140 – mindestens 5 Schläge zuviel. Ich müsste langsamer laufen. Ausgeschlossen! Das würde bedeuten ich bremse meine Frau. Unmöglich! Also muss ein Plan B gefasst werden. Ich versuche u.a. durch meditative Gedanken meinen Puls zu beeinflussen. Und tatsächlich bei KM 5 habe ich wieder meinen Puls und Tina atmet immer noch durch die Nase. Meine nächste Hoffnung nach Überlegenheit nähert sich bei KM 7,5. Dies war nämlich die längste Strecke, die Tina in den letzten Monaten hinter sich gebracht hat. Leider vergebens – außer ein paar Muskelschmerzen vermeldet Tina keine Defizite. Just zu diesem Zeitpunkt überholen uns die 21km-Läufer. Darunter leidet unmittelbar mein Selbstwertgefühl und dadurch bedingt steigt mein Puls. Im Gegenzug freut sich Tina über die rege Läuferfrequenz und atmet weiter durch die Nase. Letztendlich werde ich auf dem letzten KM doch wieder besänftigt. Ich habe doch eine Wettkämpferin geheiratet. Jetzt nämlich ergreift sie der Ehrgeiz und sie versucht Ihre Vorläuferin zu attackieren. Dieser Versuch schlägt zwar knapp fehl. Ungeachtet dessen explodiert mein Puls vor Freude und ich fasse den Plan: Egal ob Nase oder Puls – gemeinsam laufen macht doch viel Spaß!

Viele Grüße aus Kamen!

Thomas, Team 2, Läufer 1

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