05.06.2011 - Marathon Fürth


Startzeit 9.00 Uhr, es ist schon jetzt zu warm. Halbmarathonläufer und Marathonläufer starten gemeinsam, ich befinde mich etwa in der vierten Startreihe. Startschuss: Nach ein paar Kurven um den Fürther Bahnhofsplatz komme ich nach vorne, die Spitze mit Begleitfahrrädern ist in Sichtweite. Es läuft gut, Beine stark, Tempo ohne Anstrengung wie die anderen. Nach etwa drei Kilometern in einem Park befinde ich mich hinter dem Vorjahressieger, fühle mich noch geehrt, weil mir ein offizieller Begleitradler Wasser anbietet. Offenbar befinde ich mich im Marathonfeld ganz vorne, allerdings in einem Pulk von Halbmarathonläufern. Bis dahin alles bestens, dann entschwindet der Begleitradler.

Bei Kilometer 6 beginnt das Desaster: Der Streckenposten ist an einer (wie sich später herausstellt) scharfen Rechtsabzweigung nicht da, der Halbmarathonpulk und ich rennen nicht rechts, sondern geradeaus weiter. Nach etwa 500 Metern fällt der Irrtum auf: keine Radler mehr, keine Zuschauer mehr, etwa 8 Spitzenläufer völlig einsam und orientierungslos in einem Fürther Industriegelände. Nach allgemeinem Raten laufen wir schließlich zurück und erkennen die Strecke an der allgemeinen Marathonmasse wieder. Niedergeschlagen - mindestens 5 Minuten weg - versuche ich nach vorne zu kommen. Es gelingt, zuerst die zweite und erste Frau im Marathon zu überholen, erkennbar an den zugeteilten Begleitradlern, dann die zweite Frau im Halbmarathon und schließlich laufe ich mit der ersten Frau im Halbmarathon gemeinsam die erste Runde mit 1:30 zu Ende; sie ins Ziel, ich in die zweite Runde. Immer noch frustriert: bei 1:30 Halbmarathon war das ursprüngliche Ziel „unter 3“ nicht mehr zu schaffen, merke ich dennoch, dass ich völlig alleine bin; die Marathonspitze weg, der nächste Marathonläufer 400 Meter weg, die Masse weit hinter mir. Aus der Ergebnisliste stelle ich später fest, dass ich zu diesem Zeitpunkt auf dem 14. Gesamtrang liege, ohne Irrweg ins Industriegelände sogar auf dem 6. Gesamtrang.

Im Park kann ich einen Vordermann überholen, dann treffe ich auf den Begleitradler mit dem Schild „Marathon dritter Mann“. Der vernichtet sofort jede Hoffnung mit den Worten „stimmt nicht ganz“; aus der Einsamkeit schließe ich allerdings, dass ich weit vorne bin. Die Hitze wird immer glühender und drückender. Ich kämpfe weiter, von dem Aufholen schmerzen allmählich die Beine, eigenartigerweise schmerzt auch noch der Magen. Dann, bei Kilometer 32, am Beginn des Flusstals der Regnitz, das DESASTER: Die Kraft ist auf einmal völlig weg, es läuft nichts mehr, ich kann mit äußerster Mühe gerade noch gehen, es ändert sich auch nach 100 Metern hieran nichts. Ist das der sogenannte Mann mit dem Hammer (Kohlenhydrate nach 2 Stunden weg, Fettstoffwechsel schlecht trainiert, zu wenig lange Läufe)? Was kann ich tun? Aufgeben? Erst in waagrechtem Zustand! Gehen? Gerade noch! Also gehen, 10 Kilometer bis zum Ziel, bei Fußgängergeschwindigkeit von 5 km/h errechne ich - noch frustrierter - 2 Stunden bis zum Ziel. Neue Laufversuche scheitern, also gehen, erbarmungslos, in glühender Hitze, unter Mitleid und Beifall der Zuschauer. Das ganze Marathonfeld saust vorbei. Im Ziel mit 4:22:29.

Fazit: Marathon ist schwieriger als 10 Kilometer-Zeit x 4,66.

Team 1, Läufer Nr. 3, Michael Kanis

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