09.04.2011 - Forstenrieder Lauf


Schönes Wetter, warm, also schön für Jogger, schlecht für Läufer. 18° C teilt die anwesende Deutsche Halbmarathon-Meisterin (die zum 10 km-Lauf antritt) mit, dies sei Bestzeitenwetter, ausreichend Trinkstationen seien aufgebaut. Sie ist offenbar ahnungslos, denn unverändert gilt „wer trinkt verliert“ (so der Trainer eiserner Härte Peter Greif), jedenfalls bis 10 km.

Heute geht es um den Test einer Laufweisheit, nämlich „der hungrige Wolf läuft am schnellsten“. Deshalb gibt es am Freitag lediglich Kohlenhydrate (Cornflakes und Müsli), am Samstag kein Frühstück und kein Mittagessen, nur Kaffee und Kakao (dies dämpft das Hungergefühl: schon die alten Maya-Krieger belagerten wochenlang nur mit Kakao als Nahrung ihre Gegner).

Start des Halbmarathonrennens um 9:58 Uhr, pünktlichst, ich befinde mich unter den ersten 20. Bei km 8 wird der Abstand zum Vordermann immer größer. Von hinten kommt ein „Triathlon Karlsfeld“-Läufer (der später 8. wird). Ich hänge mich an, bis die Lücke zum Vordermann geschlossen ist, dann muss ich ihn ziehen lassen. Die Reihenfolge der Läufer bleibt. Ganz vorne ein paar Uneinholbare, der Abstand zum Vordermann (MRRC) bleibt mit rund 100 Metern unverändert. Die Geschwindigkeit liegt bei 14 bis 15 km/h (4:15/km und schneller). Dann kommt bei km 15 von hinten ein deutlich schnellerer Läufer. Kurze Überlegung: Ab 14 km/h Windgeschwindigkeit wird bei Wettkämpfen abgebrochen. Wenn ich mich in den Windschatten des Läufers hänge, ist der mit 14 km/h selbst erzeugte Luftwiderstand weg und bin ich also disqualifikationsreif schnell. Er überholt, ich bleibe mit äußerster Aufdringlichkeit an seinen Waden. Es gelingt: Ein Vordermann nach dem anderen bleibt zurück. Schließlich passiert mir bei km 18 ein schwerer Fehler: Ich trinke einen Schluck, komme aus dem Rhythmus, der Tempomann ist weg, drei Läufer überholen (wie gesagt: „Wer trinkt verliert“). Am Schluss mit 1:29:48 im Ziel auf Platz 25 von 391 männlichen Läufern. Lauferkenntnisse: Schönes Wetter war noch nie Bestzeitenwetter, wer trinkt verliert, hungrig laufen lohnt sich nicht (Nudelpartys aber auch nicht).

Später im Ziel Peter Krafft mit 1:46:39, der mit 5:02 km ruhig und ausgeglichen läuft, außerdem schon vorher wusste, warum es beim Laufen nicht lediglich auf Geschwindigkeit ankommt. Ein SfS-Läufer, der noch vor dem Rennen seinen durch weihnachtliche Attacken entstandenen 4 kg schweren Schwimmring beklagte, ist auf der Halbmarathon-Liste nicht feststellbar. Wo ist er?

Beim 10 km-Lauf stellt Bernd Kliebe mit 43:38 eine neue persönliche Bestzeit auf. Ralph Fischer und Ulrich Keller sind wie immer unzertrennlich (2 Sekunden Abstand). Gabriele Bast unterbietet eine Stunde locker, später dann Dagmar Löffler. Wo ist Thomas Schmid? Vor dem Rennen noch locker, braungebrannt, auf Nachfrage erklärend, dass er zuhause regelmäßig ein warmes Abendessen erhält, ist er nicht in der Ergebnisliste feststellbar.

Regina Rothweiler beginnt die Saison untrainiert beim 6,8 km-Lauf; dort hängt außerdem die Seniorin Aleksandra Faltermaier eine nachfolgende Schülerin mit 51 Sekunden Abstand schlichtweg ab.


Zuletzt zu Ernst Beldzik. Er ist voll rehabilitiert. Tatsächlich war er beim Halbmarathon in Gröbenzell dabei und kämpft derzeit (nach eigener Mitteilung) mit 20 kg mehr Gewicht als ich. Aus dem Vergleich der in Gröbenzell zu bewegenden Massen ergibt sich folgende interessante Berechnung:

Ernst Beldzik 86,5 kg, 369 Sekunden/km

Michael Kanis 66,5 kg, 246 Sekunden/km

Der Unterschied beträgt also 123 Sekunden bei einer Gewichtsdifferenz von 20 kg. Dies bedeutet also eine mögliche Geschwindigkeitsverbesserung von 6 Sekunden/km pro kg Körpergewicht. Gegenprobe: Der Marathonweltrekordinhaber H.G. wiegt 54 kg und läuft den Marathon mit 2:03:59, also rund 176 Sekunden/km. Hieraus ergibt sich Folgendes:

Ernst Beldzik alt 86,5 kg - 32,5 kg Gewichtsabnahme = 54 kg Ernst Belzik neu

Geschwindigkeit Ernst Beldzik alt 369 Sekunden/km - (32,5 kg x 6 Sek.) = 174 Sekunden = 2:54 Sekunden/km-Geschwindigkeit Ernst Beldzik neu

Michael Kanis alt 66,5 kg - 12,5 kg Gewichtsabnahme = 54 kg Michael Kanis neu

Geschwindigkeit Michael Kanis alt 246 Sekunden/km - (12,5 kg x 6 Sek.) = 171 Sekunden = 2:51 Sekunden/km-Geschwindigkeit Michael Kanis neu

Die Formel „1 kg weg = 6 Sekunden pro km schneller“ stimmt also (zur Gewichtsabnahme durch Kaloriendefizit und Fettabbau siehe Laufbericht 27.03.2011 Gröbenzell). Ernst Beldzik, wir müssen beide abnehmen!

Team 1, Läufer Nr. 3, Michael Kanis

(Anmerkung der Redaktion: eh krass !?!?!)

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18.04.2011 - Steuerkanzlei sponsert 'Helden-Caps'
27.03.2011 - 14 km Gröbenzell