27.11.2018 – Besuch bei der Tabaluga Kinderstiftung

SfS zu Besuch bei der Tabaluga Kinderstiftung: Thomas und Tina Schmid mit Frau Korntner (2. von links) und Frau Fries (3. von links)

Es ist wieder soweit. Die Tage werden kürzer. Morgens auf dem Weg zur Arbeit ist es noch dunkel und der Nebel liegt über den Wiesen. Selbst bei ausdauernden Sommertemperaturen macht sich der Herbst durch die Farbenpracht des Laubs für jeden unerlässlich bemerkbar. Es wird allmählich kalt im Land und die Menschen rücken wieder näher zusammen, um sich gegenseitig Wärme zu geben. Wärme, das ist auch die Liebe und Zuneigung, die man nur in der eigenen Familie so einzigartig und bedingungslos findet. Zuflucht in der Verzweiflung. Hilfe in der Not. Trost, wenn tiefe Trauer einzieht. Was aber, wenn die Familie nicht mehr existiert? Was, wenn es in der Familie zu Missbrauch dieses Vertrauens gekommen ist? Was, wenn es diesen Ort der Geborgenheit nicht mehr gibt?

Schon ganz in der Früh brechen wir in Oberhaching auf und machen uns auf den Weg nach Peißenberg nahe dem Starnberger See. In dieser ländlichen Atmosphäre spüren wir schon bei unserer Anreise die zuvor beschriebene jahreszeitliche Stimmung. Auf einer Anhöhe liegt unser Ziel – der Tabalugahof. Der Blick von hier über das weite Land ist an diesem Morgen aufgrund der klaren Luft umso beeindruckender und betont die Ruhe und Entspannung, die wir hier und heute erfahren dürfen.

Wir werden herzlich begrüßt von Frau Friess und Frau Korntner, die uns bei köstlich duftendem Kaffee und frischen Brezn in die Entstehung und heutige Konzeption der Stiftung, aber insbesondere der Einrichtung in Peißenberg, einführen.

Die Tabaluga-Häuser in Peißenberg ist einer der großen Standorte der Tabaluga Kinderstiftung. Ganz in der Nähe, in Tutzing, nahm im Jahr 1988 alles seinen Anfang. Dr. Jürgen Haerlin nahm damals als neuer Leiter der Kinderhilfe Tutzing die sanierungsbedürftige Situation der Einrichtung zum Anlass, um mit großem Engagement und Einsatz seine Vision einer modernen Einrichtung für hilfsbedürftige Kinder zu verwirklichen. Heute, 40 Jahre später, blickt der nach wie vor als Vorstand engagierte Gründer auf eine Einrichtung, deren Organigramm ein wenig an das einer großen Unternehmensgruppe erinnert. Neben dem Stammhaus in Tutzing und den Tabaluga-Häusern in Peißenberg gibt es weitere Häuser in Tutzing und Schongau. Darunter sogar einen Montessori Kindergarten und eine Familienstelle. Außerdem verbindet die Stiftung eine enge Freundschaft mit der Peter Maffay Stiftung, dem Namensgeber der Einrichtung.

Im Gespräch mit den beiden Damen aus der Geschäftsführung und Verwaltung merken wir schnell, dass deren Belange weit über die Bürotätigkeit hinausgehen. Beiden ist es ein großes Anliegen, uns die wichtige Aufgabe der Einrichtung anschaulich darzulegen. Die Einrichtung bietet allein gelassenen Schicksalen Raum – und die Geschichten dahinter sind ergreifend: Sexueller Missbrauch, Gewalt, frühzeitiger Tod der Eltern oder eines Geschwisterkinds, schwere Krankheiten in der Familie. Die betroffenen Menschen – jung und alt – finden hier eine Insel mit Raum für endlich wieder gute Lebenserfahrung. Kinder, die aufgrund schwer kranker Eltern oder Gewalterfahrungen nicht mehr in ihre Ursprungsfamilien zurückkehren können, erhalten hier eine neue Heimat. Aber auch Kinder, die selbst schwer krank sind und hier mit ihren Familien eine Ruheinsel suchen, sind in den Tabaluga-Einrichtungen willkommen. Vielseitige Therapien dienen dazu, die betreuten Menschen wieder in ein soziales Umfeld zu bringen und deren Integration in eine Gemeinschaft zu fördern. Zugleich sollen die Stärken und damit das Selbstwertgefühl der Besucher bewusst entwickelt und erlebt werden.

Als räumliche Grundlage für diese Aufgabenstellung gliedern sich die Tabaluga-Häuser in Peißenberg in drei Bereiche: Das Sternstundenhaus, den Tabalugahof und das Orange House.

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Im Tabalugahof können betroffene Kinder eine stationäre und dauerhafte Unterkunft finden. Hier leben Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 16 Jahren. In den betreuten Wohngruppen wird den Kindern vor allem Geborgenheit, Wärme und Zuversicht vermittelt.

Das Sternstundenhaus bietet vielseitige Gelegenheit für Therapie, gemeinschaftliche Aktivitäten, aber auch sehr entspannende Momente. Beeindruckt sind wir von der großen Küche, in der wir von zwei netten Mitarbeiterinnen herzlich begrüßt werden. Die Küche, wie auch alle anderen Räume, ist hell und freundlich. Und sie sind nicht allein dem Personal vorbehalten, auch hier finden gemeinschaftliche Aktivitäten der Gäste statt. Weitere Räume wie ein großer Gemeinschaftsraum, ein Entspannungs- und Mediationsraum, ein Kreativraum und viel mehr zeigen die vielseitigen Möglichkeiten der therapeutischen Rahmenbedingungen im Sternstundenhaus.

Das Orange House ist das erste Haus am Hof. Hier werden Seminare für Schulklassen und größere Gruppen angeboten. Oftmals handelt es sich dabei um Klassen mit Kindern, die aus einem schwierigen familiären Umfeld stammen. Der Name findet seinen Ursprung bei dem Sponsor dieses Gebäudes – eine Firmengruppe, die international Werkzeug herstellt und vertreibt. Beeindruckt sind wir vom Erdgeschoss, in dem neben einem großen Veranstaltungsraum eine professionelle Kücheneinrichtung, aber auch eine Reithalle für Therapie mit Pferden angeordnet sind. Diese Räume bieten wichtigen Platz für gemeinschaftliche Veranstaltungen und Therapien. So richtig zum Anfassen wird diese Therapie natürlich auch im Vorzeige-Werkstattraum des Orange House. Der Sponsor hat hier natürlich sein besonderes Augenmerk auf eine gute Ausstattung gelegt. Abgerundet wird das Angebot des Orange House durch Gruppenräume und kleine Appartements im Obergeschoss, die ermöglichen, dass Referenten für Seminare oder Honorarkräfte für pädagogische Projekte übernachten können.

Durch das erlebte Unheil und die damit verbundene physische und psychische Qual fühlen sich Kinder wie Eltern oft von der Gesellschaft verlassen und damit minderwertig. Die Substanz und der Ausbau der Gebäude und Räume verfügt daher über eine große Wertigkeit, die den darin untergebrachten Gästen gerecht werden soll. Das Selbstwertgefühl soll so nach und nach wieder aufgebaut werden.

Wie aber finanziert sich dieser wunderbare Ort? Auf Nachfrage erklären die Damen, dass sich lediglich ein Teil des Aufwands der Stiftung durch die zugestandenen Tagessätze für Heimkinder finanziert. Sehr wichtige Zusatzleistungen wie z. B. die Reittherapie sind dadurch allerdings noch nicht abgedeckt. Auch die therapeutischen Aufenthalte im Sternstundenhaus für Familien mit schwer kranken oder traumatisierten Kindern können nur durch zusätzliche Spenden angeboten werden. Ebenso fordern die Gebäude Finanzmittel für den laufenden Unterhalt und die Reparaturen. Diese zusätzlichen Gelder schöpft die Tabaluga-Stiftung aus Spenden, die somit essentieller Bestandteil des Finanzplans sind.

Wir sind überzeugt und bestätigen die Wahl der SfS-Gemeinschaft für den Spendenzweck 2019! Die Tabaluga Kinderstiftung ist ein besonderer Ort, der Menschen hilft, (wieder) in ein geregeltes Leben zu finden. Das SfS-Team ist sehr stolz, im Jahr 2019 für diesen herausragenden Zweck zu laufen. Wir bitten alle Sponsoren um ihre großzügige Unterstützung und alle Läufer um ihr größtmögliches, sportliches Engagement für diesen Spendenzweck.

Tina & Thomas

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